|
Seite 1 von 5 "So ein blödes Wetter, ich glaub ich geh' wieder heim" Welcher Segelflieger kennt diesen resignierenden Ausspruch nicht, wenn Samstagmittag die abschirmende Bewölkung noch immer nicht aufgerissen ist und mit dem Segelflugzeug nur Platzrunden möglich sind? Dabei ist prima Sicht und ausgesprochen angenehmes Flugwetter ".Ein Ultraleicht müßte man haben" Klar, dann könnte man so ein Wetter für prächtige Flüge nutzen, zumal die meisten der jungen Segelflugpiloten in unserem Verein die entsprechende Berechtigung schon in der Tasche haben. Irgendwann konnt' ich das Elend nicht mehr ertragen: "Dann baut euch halt eines" Fassungsloses Staunen ---"-Wie bitte???,-- kann man das??? darf man das??? wie soll das gehen??? Das würden wir doch glatt machen." "Wenn ihr das wirklich machen wollt, helf' ich euch dabei" hör ich mich auch schon sagen. "Da hab ich mir ja was Schönes eingebrockt" denk ich noch, "aber ein bißchen helfen wird schon möglich sein", zumal ja mein Projekt -eine "Cygnet"- weitgehend rohbaufertig ist, und ich jetzt im Ruhestand viel mehr Zeit fürs Fliegen und Bauen haben werde. (Ha, ha) Ein Besuch meiner jungen Vereinskameraden in meiner Werkstatt räumt letzte Zweifel ob man "so etwas" tatsächlich selber machen kann entgültig aus und es wird beschlossen das Projekt in Angriff zu nehmen. Das war im Herbst 1998. Aber wo??? Und Was??? Die Sache mit dem "Was" gestaltet sich verhältnismäßig einfach: Mit einer so völlig unerfahrenen Mannschaft kommt nur ein Holzbau in Frage und ein Doppelsitzer "side by side" sollte es natürlich auch werden, schließlich ist geteilte Freude doppelte Freude! Da war die Auswahl nicht sehr groß: Genauer gesagt, gab es zu diesem Zeitpunkt- unseres Wissens nach- nur ein einziges Flugzeug das alle o.g. Kriterien erfüllte und ohne Baukasten, nur nach Plänen herstellbar war.(Schließlich hatten wir -wie alle Vereine- kein Geld). Unsere Wahl fiel auf die P 130 "Coccinelle" (d.h. "Marienkäferchen") von Monsieur Pottier, dem Präsidenten der franz. Amateurflugzeugbauer. Das hatte außerdem den Vorteil, daß die Pläne nichts kosteten, weil sie in der franz. RSA-Zeitschrift abgedruckt waren."Prima" dachten wir, gleich haben wir Geld gespart. Mittlerweile waren wir zu dem Entschluß gelangt, gleich zwei identische Flugzeuge zu bauen zwei damit sich der Aufwand für die Werkstatt und mit den Bauvorrichtungen besser "amortisieren" sollte und um unserem zukünftigen Bedarf an Fluggerät besser zu entsprechen. Allerdings wollten die Franzosen neben einer Mitgliedschaft in ihrem Verein auch eine Lizenzgebühr und zwar pro Flugzeug, sodaß uns die Pläne ungefähr soviel kosteten wie anderswo auch. Sei's drum. Nun ging's ans "Wo?" Nach Wochen des vergeblichen Überlegens und Herumfragens wer uns geeignete Räumlichkeiten, natürlich kostenlos, zur Verfügung stellen würde, entschlossen wir uns schweren Herzens die vergammelte und seit Jahren nicht mehr benutzte Vereinswerkstatt zu entrümpeln und unseren Bauraum vom allgemein zugänglichen Teil durch eine Zwischenwand abzutrennen. Das vor allem um zu vermeiden, daß neugierige Finger von Unbeteiligten z. B. eine noch nicht abgebundene Leimung stören oder sich Werkzeuge "ausleihen" würden. Da fiel mir bei der morgendlichen Zeitungslektüre ein Artikel auf, in dem die örtliche Sparkasse von einem Fond berichtet, den sie zur Verteilung an gemeinnützige Organisationen vorgesehen habe, insgesamt 40 000 DM. Mittags hatte die Sparkasse schon meinen Brief im Kasten mit dem ich den Herren zu erklären versuchte, was wir da vor hatten: Mit jungen Leuten ein sinnvolles und anspruchsvolles Projekt durchzuziehen, das die Leute nicht nur beschäftigt halten würde sondern jeder würde was hinzulernen, nicht zuletzt Verantwortlichkeit für sich selbst und die Anderen, die mit dem Flugzeug fliegen werden. Am Ende ist dann ein Produkt da, auf das man stolz sein kann (wer in der gleichen Schulklasse baut schon an einem richtigen Flugzeug?) Und mit dem man den Namen des Sponsors in ganz Deutschland herumfliegen würde. Ganz zu schweigen davon, daß es sicher sinnvoller ist sich mit der Jugend bei einem aufbauenden Projekt zu beschäftigen als später Streetworker zu beschäftigen um den herumlungernden Langweilern wenigstens von kriminellen Taten abzuraten. Nach ca. zwei Wochen antwortete die Sparkasse, daß man von diesem Fond leider nichts für unser Projekt abgeben könne, aber die Werbeabteilung werde sich bei uns melden. Das tat sie auch umgehend und nach einem diesbezüglichen Gespräch, in dem unter anderem die Machbarkeit des Projektes generell und unsere Sachkompetenz insbesondere ausgelotet wurden, erhielten wir die Auskunft die Sache "wohlwollend zu bedenken." Die Bedenkzeit währte nicht allzulange und wir erhielten die Zusage unser Bauprojekt mit insgesamt 25 000 DM zu sponsern. W O W !!!
|